Großes Jahresendlistengesause 2012

Nach meinem großen Jahresendlistengesause 2011 kommt nun die Fortsetzung für dieses, uns bereits in weniger als 30 Stunden verlassen haben werdende Jahr 2012. 2012 war ein Jahr, das alles in allem ganz cool war. Es fing schön an, war bis September eigentlich sehr schön und dann wurde es immer öder. Zumindest für mich. Aber was weiß ich denn schon? Ich weiß höchstens, was mir in diesem Jahr gut gefallen hat, warum es mir gefallen hat und warum es auch euch gefallen könnte. Viel Spaß, man sieht sich im neuen Jahr. Ich wünsche euch kein frohes Jahr, da – seien wir doch mal ehrlich! – das doch eh nichts bringt. Hier kommen meine fünf Lieblingsalben des Jahres. <3 und au revoir, „euer“ Matze.

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~{#MUSIK#}~

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BESTES ALBUM DES JAHRES

05. GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR: ‚Allelujah! Don’t Bend! Ascend!

Nein, der ganz große Wurf war das aus dem Nichts heraus erschienene Album der gigantischen Weltuntergangskapelle aus Montreal doch nicht. Das erste neue Material nach 10 Jahren erwies sich als eine aufgewärmte, nur wenig erweiterte Langfassung zweier Tracks, die schon 2003 auf Konzerten gespielt wurden. Das wurde dann durch ein paar mittelprächtige Drone-Tracks erweitert. Dennoch schaffen es GY!BE auf diesem Album, so frisch, brutal, intensiv und ergreifend zu klingen wie eh und je. Mladic, ein zwanzigminütiger Sturm aus den Eingeweiden der Rockmusik, reißt einen mit und lässt eine S-Bahnfahrt durch langweilige Allerweltsgroßstädte sehr, sehr kriegerisch erscheinen. Auch wenn sie mit „‚Allelujah!“ nicht an ältere Erfolge anknüpfen können, ist es gut, dass Godspeed You! Black Emperor immer noch da ist und weiterwütet.

04. HANS UNSTERN: The Great Hans Unstern Swindle

Deutschsprachige Musik war 2012 mal wieder größtenteils so langweilig wie in jedem anderen Jahr. Bin ich denn der einzige, der mit Deutschrap, Deutschrock, lahmen Punk oder gefühlvollem Singer-Songwriter-Großstadtgeschrammel gar nichts anfangen kann? Gottseidank nein, denn Hans Unstern hat da auch keinen Bock drauf und verrührt deshalb eine wirre Melange all dessen auf seinem zweiten Album „The Great Hans Unstern Swindle“. Mit bizarren Instrumenten wird da gefiedelt und gejohlt, gequietscht und gewummst, während Hans Unstern, ein mysteriöser Rauschebart aus Berlin, dazu Dinge auf die Musik singspricht. Dinge wie „Für mich schämen sich die sogar die Läuse auf den Tomaten fremd beim Hörer meiner laut markierten Zeilen“ oder „Mit der Tasche voll Büchern, die nichts von unserem Leben wissen, überwinden wir die Treppen, wendeln uns an niemand, trauen uns einen Spalt, stottern uns durch, überhaspeln eine Begriffsstörung.“ Hans Unstern zitiert wie Espenlaub und stellt damit die wildeste und aufregenste deutschsprachige Platte des Jahres auf die Beine.

03. BEAK>>: >>

Mein Soundtrack für den Sommer, für die vielen Zugfahrten im Sommer. Monotoner, minimalistischer, motorischer Wohlfühlrhythmus. Alles mehr oder weniger live aufgenommen. Unverständlicher Gesang. Geoff Barrow von Portishead trommelt unermüdlich auf das Schlagzeug. Ein klasse Album, betont leer, ohne viel weiteren Sinn, ohne Intention. Nur 48 Minuten exquisiter und rauschinduzierender Tiefenwirkung. Kluge Menschen mögen nun über Kraut, Can oder Silver Apples fabulieren. Ich beschreibe es lieber so: „Spinning Top“ ist der Beat, den wir fröhlich pfeifen, wenn Steampunk-Roboter die Erde übernehmen. >>Keep on rocking<<, möchte man da rufen. Mit Betonung auf dem >>.

02. MOUSE ON MARS: Parastrophics

„Juchu“, dachte ich Herbst letzten Jahres (also 2011, meine ich jetzt) etwas untertrieben, als ich las, dass pünktlich zu meinem Geburtstag Ende Februar ein neues, schon lange von mir sehnsüchtig erwartetes Mouse on Mars-Album erscheinen würde. Um den Durchbruch der beiden Elektrofrickler mitzuerleben, war ich leider zehn Jahre zu spät geboren, doch „Diskdusk“ auf Viva 2 ist eine meiner allerersten TV-Erinnerungen. Und nun also Parastrophics. Ein schönes Chaos haben wir da. An jeder Ecke knallt, blubbert und rauscht es. Wilde Beats, quirlige Melodien und Klänge mit ADHS-Syndrom werden da aufeinander losgelassen. Ein Orchester der Ekstase. „Aktuelle“ Trends wie Dubstep werden konsequent und wohltuend dropfrei zu Ende gedacht. In jedem Track stecken Ideen, die bei den meisten Elektro-Acts für gleich vier neue Alben sorgen würden. MoM haben das dankenswerterweise nicht nötig, sie verpulvern ihre gesamte Energie jetzt und hier. Und hauen dann im Herbst auch noch das kleine „WOW“-Album hinterher. Am Ende von „Parastrophics“ spürt man jeden Muskel. So wie ich nach ihrem exquisiten Konzert in Dortmund. 100 Leute waren da, höchstens. In Amerika haben die mehr Fans. Aber – ach, davon wollen wir jetzt hier nicht anfangen.

01. MOUNT EERIE: Ocean Roar

Mount Eerie macht Musik, die nach Twin Peaks gehört. Musik aus einer anderen Welt, tief verwurzelt in Natur, Wald und Kleinstadt. Laute Sonnenstürme hageln hier auf den Hörer ein. Ocean Roar, das wasweißichwievielte Album von Phil Elverum (ehemals The Microphones, nun Mount Eerie) ist bereits das zweite Album des Jahres gewesen, in dem er sich mit seinem derzeitigen Wohnort – einer gebirgigen Kleinstadt in Washington – auseinandersetzt. Alle möglichen Einflüsse klingen da mit: Folk, Ambient, Shoegaze, Black Metal. Alles sehr düster, sehr bedrohlich, und gleichzeitig sehr vital. Wie ein großes, eiskaltes Glas Wasser.

Schon wieder sehr monoton, schon wieder sehr krautig. Mount Eerie covert auf dem Album auch trommelfellzerkratzend und konsequenterweise Engel der Luft von Popol Vuh, singt brachiale Krachlieder über seinem Heimweg aus dem Wald, lässt sich selbst hinter Wellen und Rauschen verschwinden, hinter leisen Melodien des Windes, stillen Stürmen und lauten Bewegungen im Unterholz. Man möge nur mal das erste Lied, das zehnminütige Krachmanifest „Pale Lights“ hören und merken, wie raffiniert Elverum hier das Laute mit dem Leisen verbindet: Nach ein, zwei Minuten legt sich der Sturm beinahe, eine Heimorgel erklingt und Elverum singt mit seiner wie immer engelsgleich-wunderschönen Stimme „Pale lights from another island / slow flashing through blue dusk / across the water“. Das ist Naturlyrik, das ist wunderschön, das ist roh.

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