„Wir holen uns einen runter, aber wir hängen uns nicht auf“

Roberto Bolano hat es in seinem monumentalen Roman 2666 auf 1100 Seiten geschafft, die gesamte Verlogenheit, Bigotterie und hintergründige Grausamkeit des 20. Jahrhunderts zu sezieren. Dazu braucht man viel Material, deshalb die 1100 Seiten. Doch dann und wann schimmert all dies auch in kurzen Passagen im Roman durch, in nur wenigen Sätzen:

Manchmal stürzte er sich zusammen mit seinen Kameraden in die Eroberung einer feindlichen Stellung, ohne die geringste Vorsichtsmaßnahme, was ihm den Ruf der Kühnheit und Tapferkeit eintrug, obwohl er bloß eine Kugel suchte, die seinem Herzen Frieden brachte. Eines Nachts sprach er Wilke gegenüber unbedacht von Selbstmord.

„Wir Christen holen uns einen runter, aber wir hängen uns nicht auf“, sagte Wilke und bevor er einschlief, dachte Reiter über seine Worte nacht, denn er vermutete, dass sich hinter Wilkes Kalauer eine Wahrheit verbarg.

Roberto Bolano: 2666. Carl Hanser Verlag, Seite 850.

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